100 Jahre Eisenbahnhochbrücke Rendsburg

Die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke ist eines der am Meisten fotografierten Motive am ganzen Nord-Ostsee-Kanal

DAMALS

Blick auf den Bau der nördlichen Rampen, hier etwa wird Jahrzehnte später die Schiffsbegrüßungsanlage stehen.

So wird man die Brücke nie wieder sehen können –

die Brückenteile kommen sich in der Mitte immer näher.

Die Brückenteile  werden mithilfe von 3,2 Mio. Nieten zu-

sammengefügt, auf den Hauptträgern ein gefährliche Arbeit.

Gegen Ende des Brückenbaus wird die Schwebefähre ein-

gehängt, sie fährt später zwischen den Pylonen hin und her.

HEUTE

Nach einer mehrjährigen Grundsanierung ist die Hochbrücke
für die nächsten Jahrzehnte fit gemacht worden.

Ein Traumschiff unter der Eisenbahnhochbrücke –

bei strahlendem Wetter immer wieder beeindruckend.

Die Rendsburger Hochbrücke ist neben der Querung

bei Levensau die letzte Brücke aus Kaisers Zeiten.

Die Schwebefähre unter der Eisenbahnhochbrücke

hat Aussicht, Weltkulturerbe der UNESCO zu werden.

Die Eisenbahnhochbrücke ist das Wahrzeichen der Stadt Rendsburg – stolz ist man hier nicht nur auf die Brücke selbst, sondern auch auf die angehängte Schwebefähre. Sie soll hoffentlich bald zum Weltkulturerbe

erklärt werden, bitte schön.

Was heute im Tourismus als

„Alleinstellungsmerkmal“ angesehen wird, galt schon vor dem Baubeginn 1911 als größtes und technisch spektakulärstes europäisches Stahlbauwerk.

Stadtobere und Geschäftsleute

waren allerdings anfangs nicht

so recht begeistert.

 

In einem Brief an das Reichsamt des

Inneren lässt der Rendsburger Magistrat im Jahre 1907 wissen: „Wir können

das Vorhandensein einer Hochbrücke

als einen Vorteil für die Stadt nicht an-

sehen… es mag zwar richtig sein, dass

die entstehenden Baulichkeiten Fremde

in die Stadt ziehen werden; dies wird

aber doch nur in den ersten Jahren für

den Fremdenverkehr der Stadt von

Bedeutung sein. In späteren Jahren

wird man davon nichts mehr merken,

und es bleibt den Bewohnern der Stadt

der tägliche Anblick dieser ungeheuren

Gerüste vor den Türen“.

Und die Rendsburger und Büdelsdorfer

Geschäftswelt menetekelt eine Verkehrs-

verlagerung nach Neumünster und Kiel.

Die örtliche Zeitung reflektiert das

Murren im Rathaus und in den Einzel-

handelsläden so: „Die beteiligten Kreise

haben daher allen Anlass, nach dieser

Richtung hin der neuen Hochbrücken-

anlage mit sehr gemischten Gefühlen

entgegenzusehen“.

Übrigens: Als die Hochbrücke 1913

fertiggestellt ist, schreibt dieselbe lokale

Zeitung: „Die Hochbrückenanlagen, die

nach dem Urteil weit gereister Personen

im Vergleich gestellt werden können mit

den  berühmtesten Bauwerken  der Erde, sind in den letzten Wochen das Ziel vieler Fremden gewesen… Selbstverständlich hat der Hochbrückenbau hier eine An-

sichtskartenindustrie entwickelt, die …

dazu beiträgt, die Kenntnis von dem ge-

waltigen Bauwerk… in die entferntesten

Gegenden zu tragen“.

Nebenbei gesagt, hatte der verantwort-

liche Brückenbauer Friedrich Voß erstaunlicherweise vor dem Bau der Stahlkonstruktion lediglich ein Modell aus Pappe, Kleister und Gips im Maßstab 1:500, inTeilen auch 1:10, anfertigen lassen – eine Genialität mit historischem Langzeitwert: Die Brücke wurde 2013 hundert Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums wurde eine farbige Illumination eingeschaltet, die eine der letzten Brücken aus der Kaiserzeit nunmehr im Dunkeln künstlerisch

beleuchtet.

 

Vor der offiziellen Eröffnung wird die Brücke von acht

schweren Lokomotiven auf ihre Belastbarkeit geprüft.

Nach der zurzeit laufenden Grundsanierung wird die

Brücke auch für längere Züge befahrbar sein.